Der “Wollpfad” – Translana

Entdecken Sie die Geschichte der Beira – die “Rota da Lã” wartet bereits auf Sie!

Die Zeitlosigkeit der Wolltradition

Seit längst vergangenen Zeiten gehört die Wolle, welche zum Schutz und zur Bequemlichkeit verarbeitet und getragen wird, zum Alltagsgebrauch der Menschheit. Das Wissen und die Kunst rund um die Herstellung und Färberei, die Langwierigkeit und die Präzisionsarbeit, die für die Produktionstechnik erforderlich sind, wurden über Jahrhunderte hinweg verbessert.Die Wollkultur ist nun mal von der Schafhaltung und den aus dem Altertum stammenden Kenntnissen der Landwirtschaft und Viehhaltung nicht zu trennen. Mit der Wollkultur verbindet man die Erinnerung an große durch die Gebirgslandschaft ziehende Schafherden, die von Schäfern durch zuvor völlig unberührte Landstücke und isolierte Gebirgssiedlungen geführt wurden; durch Orte, in denen man die alten Webereitraditionen pflegte.

Hirtentum und Schäferei auf der Iberischen Halbinsel

Auf der iberischen Halbinsel waren es vor allem die in den Grenzgebieten der Mittelregion Portugals und teilweise auch in der spanischen Extremadura lebenden Völker, die seit unvordenklichen Zeiten eine Verbindung zur Schäferei und zum Hirtentum pflegten. Die einmaligen Eigenschaften der Serra da Estrela ermöglichten seit jeher, dass Schafherden aus iberischen Gebieten bei dieser Wegkreuzungsstelle wieder zusammentrafen. Diese vorteilhafte Lage bot wiederum vielen Gebirgsbewohnern die Gelegenheit, sich auf die Schäferei und die damit verbundenen Tätigkeiten, sprich auf die Herstellung von Milchprodukten und auf die Produktion von aus Wolle hergestellten Stoffen, zu spezialisieren.

In Wahrheit war es so, dass die üppige Graslandschaft des Gebirges über bestimmte Zeitabschnitte große Schafherden anlockte, welche diesem Grenzgebiet Portugals ein reiches Vorkommen an Rohmaterial für die Wollverarbeitung lieferten. Und so kam es, dass die Serra da Estrela zum Standpunkt einer noch heute währenden und immer sich weiter entwickelnden Wollindustrie geworden ist.

Die “Wollpfade”

Die “Wollpfade” – trajectos de lã, die sich zwischen den Hirten- und Schafswegen und den örtlichen Wollfabriken bildeten, sind seit dem 17. Jahrhundert auf den Karten des portugiesischen Nationalgebiets gekennzeichnet. Heutzutage ist es möglich, auf präziseste Art und Weise, die unzähligen Hirtenwege durch die traditionell isolierte Mittelregion Portugals nachzukonstruieren. Eine der Strecken war besonders an der Entwicklung von “iberischen” Handels- und Sozialbeziehungen beteiligt.

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jhd hat die EU ihr Augenmerkt verstärkt auf diese kulturellen Wege des europäischen Kontinents gerichtet und ein Programm entwickelt, das die Touristen dazu einladen soll , die «wirklichen und erdachten Wege, über die (…) Europas Identität sich herausstellte» zu erkunden. Inmitten der vielen Wege, die durch das vergangene Europa führten, zog einer der Landwege besondere Aufmerksamkeit auf sich, da er nämlich für die Schäferei und den Wollhandel von großer Bedeutung war und die jahrhunderte lange Verbindung zwischen den Regionen der Beira Interior in Portugal und der Comarca TAGUS in Spanien herstellte.

“Der Wollpfad” – Rota da Lã, der uns in die Geschichte, die Traditionen, aber auch in das Wissen und die Kultur des Landesinneren der Halbinsel einführt, vereint seit dem Mittelalter portugiesische und spanische Gebirgslandschaft, Schäferei, Weberei, Wollherstellung und -handel. Der Wollpfad rekonstruiert die damals von Wollhändlern begangenen Wege: Im 17. Jhd und zu Beginn des 20. Jhdts nutzten sie die Gebirgswege zwischen Malpartida de Cáceres, wo sie die Wolle der spanische Merinoschafe kauften, und der Covilhã, wo sie diese an die wichtigsten Wollfabriken weiterverkauften.

Das ist also der “Rota da Lã” , der heutzutage die mittelalterlichen Wege und Handelstraditionen zwischen der portugiesischen Beira und der spanischen Extremadura nachkonstruiert und Sie zu einer Wanderung einlädt!

“Der Wollpfad” – TRANSLANA

Im Jar 2007 wurde ein grenzüberschreitendes Projekt gestartet, dessen Ziel darin bestand, die Geschichte dieser altertümlichen Pfade genauer zu untersuchen. Diese wichtige und detailreiche Studie wurde vom Wollwarenmuseum “Museu de Lanifícios da Beira Interior” geleitet. Gegenstand dieser Untersuchung waren die “Wollpfade” der portugiesischen Region Beira Interior, welche die Bezirke Castelo Branco und Guarda umfasst, und ein Teil der spanischen Extremadura, namentlich Comarca de Tajo-Salor-Almonte. Man konnte dadurch mehr als tausend geschichtlich, kulturell und anthropologisch relevante Orte ausfindig machen, die für die Tradition der Wollgewinnung- und Herstellung von Bedeutung waren. Vor allem ist es durch dieses Projekt gelungen, einen Weg durch die Landschaften, das Wissen und die Traditionen nachzukonstruieren, durch den man auf unvordenkliche im Herzen der iberischen Halbinsel gelegene Orte gestoßen ist.

An beiden Enden des Wollpfades befindet sich je ein Museum. Auf der spanischen Seite beginnt der Pfad in Malpartida de Cáceres am “Lavadero de Lanas de los Barruecos”, wo sich heute das Museum Vostell-Malpartida befindet. An genau diesem Ort fand seit dem 18. Jhd. die Schafschur und die Wollwäsche statt. Im Frühling zogen die Schafherden an diesem Ort vorbei und zogen weiter Richtung Norden. Diese große in der Region Cáceres gelegene und der prä-industriellen Wollverarbeitung gewidmete Anlage versorgte mehrere Regionen Europas. Hierher kamen zu bestimmten Jahreszeiten auch die Maultiertreiber und die Händler der “Beira Wolle” um für die Fabriken der Covilhã das Rohmaterial einzukaufen.

Von dieser ehemaligen Anlage aus können wir nun den Weg nachzeichnen, den die Männer schon in der früheren Vergangenheit zurücklegten. Sie durchkreuzten weite Felder der spanischen Extremadura, durchliefen die Straßen der portugiesischen Gebirgsseite, überquerten die Orte Idanha, Penamacor und Fundão, und beendeten den Handelsweg in den Fabriken der Covilhã. Bei dieser Anlage, die einst der Real Fábrica Veiga gehörte und heute Sitz des Wollwarenmuseum Museu de Lanifícios ist, endet der Wollpfad. Eine solche Vergangenheit bezeugt die geschichtliche und wirtschaftliche Bedeutung, die diese Stadt der Beira Interior in sich trägt.

Der Wollpfad – eine aus Fäden gestrickte Geschichte

Dieses umfangreiche in der Mittelregion der iberischen Halbinsel und von Portugal und Spanien durchgeführte Projekt “Rota da Lã” hat etwas später zur Veröffentlichung von drei seitenstarken Büchern, bzw.Bänden geführt. Diese beinhalten Studientexte, Fotos, Kennzeichnungen und Aufstellungen von mindestens 300 in diesem Zyklus eingebundenen Fabrikeinheiten, Auskunft über mindestens 100 Schafwege und eine Auflistung von etwa 700 gefundenen Objekten, sowie Tränken, Tanks, Herbergen und Viehställe, welche allesamt eng mit den Traditionen dieses Pfades in Verbindung stehen.

Das Wollwarenmuseum Covilhã stellt ihnen bei Bedarf weitere Informationen, Karten und Flyer über den “Wollpfad”, die sogenannte Rota da lã zur Verfügung. Auf diesem Wege nämlich lernen Sie die Region und die Traditionen und Weisheiten dieser tausendjährigen Tätigkeit am besten kennen.

Entdecken Sie die Geschichte der Beira  – die “Rota da Lã” wartet bereits auf Sie!

Return to the top