Der Fado-Gesang trägt bekanntlich die portugiesische Seele in sich. Um so deutlicher kommt dies durch den Fado de Coimbra zum Ausdruck, der Musik, die den Puls dieser Studentenstadt höherschlagen lässt. Der mit den akademischen Traditionen in engem Zusammenhang stehende Fado de Coimbra ist spontan und unter Studenten entstanden, die zum Studium in die Stadt zogen und ihre portugiesischen Gitarren mitbrachten.

Die Tradition blieb bis heute lebendig. Zum ausschließlich von Männern gesungenen Fado de Coimbra gehört auch ein bestimmter Kleidungskodex: Die Musiker und Sänger tragen ihre Studententracht über den Hosen, dazu den schwarzen Überhang und einen Hut. All dies passt perfekt zu der Stimmung, die sie beim nächtlichen Singen auf den Plätzen und Straßen in Coimbra verbreiten.

Zu Zeiten der Diktatur diente der Fado auch als Kommunikationsvehikel zwischen regimekritischen Studenten. Persönlichkeiten wie Adriano Correia de Oliveira oder José Afonso nutzten die Balladen als politische Ausdrucksform – und das zu einer Zeit, in der Worte mehr zählten als tausend Waffen.

Wenn Sie Coimbra besuchen, sollten Sie nicht eines der typischen Ständchen unter Fenster der Geliebten verpassen. Oder hören Sie den Fado-Gruppen zu, die vor der alten Kathedrale Sé Velha singen, auf ihren Gitarren spielen, dabei in der Stadt aktuelle Themen und des studentischen Lebens aufgreifen oder die Verse der bekanntesten portugiesischen Dichter vertonen.