Wenn in einem einzigen Raum ein literarischer Schatz unschätzbaren Wertes mit der Opulenz der Architektur und den Künsten von Beginn des 18. Jahrhunderts zusammentreffen, ergibt dies eine der beeindruckendsten und originellsten barocken Bibliotheken Europas. In der Biblioteca Joanina befinden sich Welten innerhalb von Welten. Hier ist alles Wissen, und die Kunst lädt zum Entdecken ein. Mehrere Tausend Werke ruhen in einem von Schönheit und Exotik erfüllten Raum, wo der Reichtum der bemalten Decken mit den Balustraden und Regalen aus Blattgold und Tropenholz harmoniert. Genießen Sie die Weisheit der hier gebundenen Schätze in der Pracht der barocken Joanina.

Das Werk von D. João V

Die Joaninische Bibliothek der Universität Coimbra, die an die Stelle der ehemaligen Universitätsbibliothek Casa da Livraria Universitária getreten ist, verdankt ihren Namen dem Monarchen, der sie im Jahr 1717 errichten ließ. D. João V der Großherzige ging als Vater der Kultur, der Wissenschaft und der Kunst in die Geschichte ein, und diese Bibliothek ist das Zeugnis der Kulturpolitik dieses Königs. Am Säulengang dieses eleganten Gebäudes, der aus vier ionischen Säulen besteht, sticht das enorme Wappen im Barockstil hervor, der für die Üppigkeit dieser verheißungsvollen Epoche Portugals charakteristisch ist.

In diesem dreistöckigen Gebäude, von denen zwei unterirdisch sind, sind die Wände mit Regalen bedeckt und beherbergen tausende Exemplare aus unterschiedlichen Fachbereichen, wobei der Schwerpunkt auf Werken der Medizin, der Geografie, der Geschichte, der Geisteswissenschaften, der Wissenschaft, des Zivil- und Kirchenrechts, der Philosophie und der Theologie liegt.

Architektur und Dekaration widerstehen der Zeit

Die Sammlungen der zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert veröffentlichten Bücher, die den Bestand der Bibliothek bilden, sind dank der Eigenschaften des Gebäudes in gutem Zustand. Die über zwei Meter dicken Außenwände, die aus Teakholz bestehende Türen und das mit Holz getäfelte Innere regulieren den Feuchtigkeitsgrad. So wirkt der Raum wie ein Tresor für die Erhaltung der Bücher.

Die Bibliothek ist in drei durch Bögen und Regale getrennte, jedoch untereinander verbundene Bereiche aufgeteilt und wird von einem portugiesischen Wappen gekrönt. Im ersten Saal kontrastiert das Gold auf grünem, im zweiten auf rotem und im dritten auf schwarzem Hintergrund – all dies, um die goldenen Details deutlicher zum Vorschein zu bringen. Die zweistöckigen Regale bestehen aus exotischen Hölzern, sind vielfarbig verziert und vergoldet. Die Decken wurden von Simões Ribeiro und Vicente Nunes bemalt und beinhalten Motive, die auf die Kunst und die Wissenschaft hindeuten und werden im Zentrum Sapientia, der Göttin der Weisheit, gekrönt.

Wissenswertes über die Joaninische Bibliothek:

  • Nachts, nach Schließung der Bibliothek, trägt eine Fledermauskolonie zum guten Erhalt der Bücher bei, indem sie die Insekten frisst. Zuvor werden die Tische mit Ledertüchern abgedeckt, um das Erbe vor den Fäkalien der Tiere zu schützen.
  • Im Tresor der Bibliothek werden extrem selten Werke aufbewahrt, z. B. die erste Ausgabe der Lusiaden, eine in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts veröffentlichten hebräischen Bibel, von der weltweit nur 20 Exemplare existieren, oder die 48-zeilige Lateinische Bibel, die so genannt  wird, weil auf jeder Seite genau 48 Zeilen stehen und die 1462 von Partnern Johannes Gutenbergs gedruckt wurde und heute als schönste der ersten vier gedruckten Bibeln gilt.
  • Die Joaninische Bibliothek wurde über einem mittelalterlichen Kerker errichtet, der später ein akademisches Gefängnis war. Der Zugang zum Untergrund existiert noch immer und kann besichtigt werden.

Besichtigungen:

Täglich | Vom 1. August bis zum 30. September 2020
• Joaninische Bibliothek: 9.40 – 13.00 | 14 – 17 Uhr (letzter Einlass um 16.40 Uhr)
• Kapelle: 10 – 18 Uhr
• Königlicher Palast: 10 – 18 Uhr
• Laden: 10 – 13 | 14 – 17.45 Uhr
• Kartenverkauf: 9.30 – 17.45 Uhr
• Neuer Shop: 9.30 – 17.45 Uhr
• Da Vinci Ausstellung: 10 – 18 Uhr
• Wissenschaftsmuseum (Laboratório Chimico und Colégio de Jesus): 10 – 13 | 14– 18 Uhr