Der Caramulo ist viel mehr als ein herrlicher portugiesischer Berg. Es hat eine immens interessante Geschichte, geprägt von einem visionären Mann, Jerónimo Lacerda, der in dieser schönen Stadt, die wunderbar in eine überwältigende Naturlandschaft eingebettet ist, eine wahre Revolution ausöste:  Die Sanatorien von Caramulo. In der Vergangenheit wurde Caramulo als einer der berühmtesten Erholungsorte der ganzen iberischen Halbinsel bekannt. In den kritischen Zeiten der Tuberkulose kamen die Patienten, um die „frische Luft“ auf diesem Berg zu atmen.

In der Stadt Tondela, die auf 800 Meter Höhe im Herzen des Caramulo-Gebirges liegt, gab es damals rund 20 Sanatorien und etwas mehr als tausend Einwohner.

Das älteste – das Große Sanatorium – öffnete 1922 seine Pforten, nachdem der Arzt Jerónimo de Lacerda eine Gesellschaft gegründet hatte, der bedeutende Persönlichkeiten der damaligen Zeit angehörten. Viele andere Sanatorien folgten, doch die klinische Kontrolle über alle lag in der Hand der Mitarbeiter des Großen Sanatoriums.

Caramulo
Caramulo wurde 1921 auf Initiative des Arztes Jerónimo Lacerda gegründet. Am Südhang des Berges legte er den Grundstein für den größten Kurort Portugals und der Iberischen Halbinsel. Die Einrichtung verfügte über eine im Land einzigartige Infrastruktur, z.B. fließendes Wasser im Haus, Abwassersystem, Müllabfuhr und ein eigenes Stromnetz.

1922 wurde durch die zwei Jahre zuvor von Jerónimo Lacerda und anderen Persönlichkeiten gegründete Sociedade do Caramulo ein Hotel gebaut, das am Ende die Keimzelle für den Bau von fast zwanzig Sanatorien werden sollte. Die weitgehende Ausrottung der Tuberkulose in den 1970er Jahren führte zum allmählichen Bedeutungsverlust von Caramulo.

In Europa herrschte nach dem Zweiten Weltkrieg die Vorstellung, dass große, luftige Räume mit viel Sonnenlicht die Behandlung von Krankheiten wie Tuberkulose oder Rachitis begünstigen. Aufgrund dieser Weltsicht entstanden in Carmulo Gebäude, deren Struktur von geraden Linien geprägt ist, mit Dachterrassen, breiten Balkonen und Galerien.

Erwähnenswert ist auch die Art-Déco-Bewegung, die von einer neuen Generation von Architekten geprägt wurde, die Caramulo zu einem besonders eleganten Urlaubsort machten. Einige Beispiele dafür sind die Kapelle Nossa Senhora da Esperança und mehrere Landhäuser am Berghang im berühmten Gebiet von Fonte dos Amores, wo die Familien der Ärzte und das medizinische Personal wohnten: Ärzte, Apotheker und Sanatoriumsleiter.

Die Landschaft ist auch durch den starken Nationalismus von Raul Lino mit dem typischen „portugiesischen Haus“ geprägt, der sich nach dem Geschmack der Diktatur von Salazar und der aufsteigenden Eliten ausrichtete.

António Oliveira Salazar, der ein enger Freund des Sanatoriumsgründers Jerónimo Lacerda war und António Ferro zählten zu den Persönlichkeiten, die regelmäßig nach Caramulo kamen.

Der Arzt Jerónimo de Lacerda war ein Pionier und schuf zu seiner Zeit eine Modellstadt: Wasserversorgungssystem, Stromversorgung durch ein eigenes Kraftwerk, Kanalnetz samt Kläranlage, Entsorgungssystem mit eigener Müllverbrennung und jede Menge  Gärten und Grünflächen hatte die Welt in dieser Form noch nie zuvor gesehen. Seine Söhne Abel und João Lacerda gaben Caramulo schließlich eine internationale Projektionskraft.