Kunst und Kultur

Vergílio Ferreira

Vergílio Ferreira
Vergílio Ferreira, in dem kleinen Dorf Melo im Bezirk Guarda geboren, hatte seit seiner frühen Kindheit eine schwere Last zu tragen, da seine Eltern in die Vereinigten Staaten von Amerika auswanderten. Dieses Gefühl der Entbehrung ist in seinem gesamten fiktionalen und philosophischen Werk deutlich zu spüren. Ebenso wie der überwältigende Einfluss der Serra da Estrela auf seine Weltanschauung.

Vergílio Ferreira wuchs zusammen mit seinen Zwillingsgeschwistern bei seinen Tanten auf und lernte schon früh, was Einsamkeit und innere Suche bedeuten.

Er besuchte die Grundschule an der ehemaligen Jungenschule in Melo. Im Alter von zwölf Jahren trat er nach einer Pilgerreise nach Lourdes in das Kleine Seminar von Fundão ein, wo er sechs Jahre lang studierte. Diese Zeit bereitete ihm großes Leid und wurde später zum zentralen Thema seines Romans „Manhã Submersa“.

1932 verließ er das Priesterseminar und schrieb sich 1933 am Gymnasium Afonso de Albuquerque in Guarda ein. Später begann er ein Studium der Klassischen Philologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Coimbra, widmete sich aber weiterhin der Dichtkunst.

1939 schrieb er seinen ersten Roman „O Caminho Fica Longe“. 1940 schloss er sein Studium der Klassischen Philologie ab und absolvierte sein Lehrpraktikum an der D.-João-III.-Sekundarschule in Coimbra. Ab 1942 unterrichtete er in Faro und veröffentlichte den Artikel „Hat Camões Platon gelesen?” in der Zeitschrift Biblos. 1944 begann er in Bragança zu unterrichten.

1946 heiratete er in Évora Regina Kasprzykowski, eine Kunstpädagogin polnischer Herkunft. Neben zahlreichen Romanen und Essays veröffentlichte er 1954 „Manhã Submersa” und 1959 „Aparição”. Im selben Jahr begann er, an der Camões-Oberschule in Lissabon zu unterrichten.

Berufliche Tätigkeit

Er war als Lehrer für Portugiesisch und Latein an Schulen im ganzen Land tätig. Am 3. September 1979 wurde ihm der Rang eines Großoffiziers des Militärordens São Tiago da Espada verliehen.

Im Jahr 1980 wurde sein Roman „Manhã Submersa“ verfilmt, in dem Vergílio Ferreira selbst eine der Hauptrollen spielte: die des Rektors des Priesterseminars.

1991 erhielt er in Brüssel den Europalia-Preis für sein literarisches Gesamtwerk. Im Jahr 1992 wurde er in die Lissabonner Akademie der Wissenschaften gewählt und erhielt den Camões-Preis, die bedeutendste literarische Auszeichnung im portugiesischsprachigen Raum.

Mit dem Roman „Manhã Submersa” gewann er außerdem den Femina-Preis in Frankreich und erhielt zweimal den „Großen Preis für Roman und Kurzgeschichte“ des portugiesischen Schriftstellerverbandes. Die Philosophische Fakultät der Universität Coimbra verlieh ihm die Ehrendoktorwürde.

Er starb am 1. März 1996 in seinem Haus in Lissabon. Seinem Wunsch entsprechend fand die Beerdigung in seinem Heimatdorf. Er wurde auf dem Friedhof von Melo begraben.

Eine bemerkenswerte Persönlichkeit

Vergílio Ferreira betonte oft, dass er zwar nicht wie ein typischer Bewohner der Region Beira aussehe, einige ihrer Eigenschaften jedoch teile, insbesondere Entschlossenheit und Beharrlichkeit. Zudem fühlte er sich tief mit der Landschaft der Serra da Estrela verbunden, deren Einsamkeit und Schnee seine innere Welt prägten.

Er betrachtete das Schreiben als seine Bestimmung, als etwas sehr Ernstes, das zu seiner Lebensaufgabe wurde. Andererseits mochte er es nicht, in der Öffentlichkeit erkannt zu werden, und lehnte die eher banalen Seiten des Alltags ab. Außerdem schrieb er am liebsten mit der Hand.

Casa Vergílio Ferreira - Para Sempre

Eine Vergílio-Ferreira-Route wäre ohne einen Besuch des Hauses Casa Vergílio Ferreira – Para Sempre in seinem Heimatdorf Melo nicht vollständig. Es ist eine würdige Hommage an das Ausmaß seines literarischen und philosophischen Werks.

In diesem Haus befindet sich eine Künstlerresidenz, die Kulturschaffenden aus verschiedenen Bereichen die Möglichkeit bietet, dort Projekte zu planen und zu entwickeln sowie an Initiativen teilzunehmen, die sie mit den lokalen Gemeinschaften in Kontakt bringen.

Vom 1. bis 5. Oktober 2026 findet in Melo das Literaturfestival „Em nome da Terra“ (Im Namen der Erde) statt.

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